Valtellina im Spätsommer 2026
Am Samstag feiern wir noch den runden Geburtstag von Anita mit einem Brunch im Garten. Die Vorbereitungen beschäftigen uns die ganze Woche. Schon am Montag zuvor geht es mit Unterstützung von Annie ans "Burger" machen. Zwischen 10 Uhr und 16 Uhr feiern wir dann am grossen Tisch hinter dem Haus mit den Gästen. Eine gelungene Veranstaltung. Dann aufräumen und packen.
Am Sonntagmorgen geht es nach Italien. Das Ziel ist Mazzo di Valtellina im Adda Tal zwischen Tirano und Bormio. Wir sind bisher nur bis Tirano gekommen. Das ist auch schon 4 Jahre her...
In Mazzo haben wir eine sehr schöne Ferienwohnung gefunden. Sie liegt zentral in der Altstadt, es gibt ein Café und ein Restaurant in der Nähe, sowie einen Stellplatz für das Auto. Von der Terrasse aus sieht man in Richtung Tirano. Die Kirchturmuhr meldet sich zwischen 6 Uhr und 21 Uhr jede halbe Stunde. Um 8 Uhr und um 20 Uhr kommt zu den Stundenschlägen noch das "Ave Maria" hinzu. Nachts ist Ruhe. Und seit einiger Zeit wohnt mal wieder das Rennrad mit in der Wohnung.
Für einen weiteren Besuch haben wir den Standort gespeichert.
Das Wetter ist die ganze Woche über sehr gut. So gibt es keinerlei Einschränkungen für unsere geplanten Aktivitäten. Meistens glänzt der Himmel in einem strahlenden Blau. Doch der Reihe nach:
Sonntag, 30. August
Anfahrt über Zürich und Julierpass bis nach Pontresina. Ich fahre mit dem Rennrad über die Bernina bis nach Tirano. Die Strecke ist in der Richtung deutlich einfacher als vor 4 Jahren hoch von Tirano zum Pass. Wir treffen uns zum Café bevor wir die letzten Kilometer nach Mazzo fahren.
Das Abendessen gibt es im Ristorante "Al Castagneto" im Ort. Die Vorspeisen sind Bresaolo und Käse mit Honig. Als Hauptgerichte gibt es Tagliatelle mit Funghi und Pizzoccheri.
Dazu passt der Sassella von Triacca. Alles sehr lecker.
Montag, 31. August
Der letzte Tag im August. Bilderbuchwetter. Wir starten eine kleine Wanderung von Bianzone durch die Weinberge. Die Gegend ist schon lange besiedelt und die älteste Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert. Heute werden im Tal Obst und an den steilen Hängen Wein angebaut.
Unser Weg führt zuerst hoch übers Tal, an alten Berghöfen vorbei und durch die Weinberge von Triacca hinunter zum Weingut "La Gatta".
Dienstag, 1. September
Wenn nicht heute, wann dann? Ich bin trainiert, das Wetter ist perfekt und wir wohnen direkt am Zugang zum Mortirolo. Einer "DER" Pässe beim Giro (1. Kategorie). Nicht extrem hoch, aber ziemlich steil. Ich nehme die Nordrampe von Grosio aus. Knapp 15 km, im Mittel knapp 10% Steigung und 1228 HM - das eigentliche Problem sind die Rampen: 14% sind immer mal wieder angeschrieben und so gehts gleich los. Es geht fast konstant im Schatten durch den Wald. Die Blicke ins Tal sind allerdings schon beim Aufstieg spektakulär. Auf der Passhöhe gibt es nicht viel. Die Felsen markieren den Sattel.
Bei der Abfahrt fahre ich direkt nach Mazzo über die Westrampe. Hier hat Pantani 1994 beim Giro einen legendären Angriff gefahren. Heute erinnert ein Denkmal an ihn.
Mittwoch, 2. September
Zum Ausgleich eine Wanderung nach Taronno von Sondalo aus. Es geht hoch zu einem kleinen Weiler. Er ist nicht ganz unbewohnt. In einem Haus wird gekocht. Ein Jeep steht davor. Wir überlegen, ob die Strecke auf der wir ins Tal gehen Weg oder Strasse ist? Bis dann der Jeep von oben kommt.
Donnerstag, 3. September
Roncaiolo liegt auf 800 Metern über dem Meer und nur 1,5 km von der Schweizer Grenze entfernt. Nach der Trennung des Veltlins von der Schweiz (1798) und aufgrund der Höhenlage gibt es kaum Erwerbsmöglichkeiten im Dorf. Durch die Nähe zur Schweiz entwickelt sich im 19. Jahrhundert eine ziemliche Schmuggeltätigkeit, die für einen gewissen Wohlstand sorgt. Reis ist in der Schweiz gefragt und wird über die Schmuggelpfade (sentiero del contrabbando) nach Viano gebracht. Im Veltlin ist Kaffee begehrt. In den 1970er Jahren existieren 5 oder 6 Kaffeeröstereien in Brusio. Der geröstete Kaffee findet seinen Weg über die Schmugglerpfade nach Süden.
Wir fahren die enge Strasse von Tirano hoch bis zum Bergdorf. Wer Zeit hat kann kurz im Weingut Cabianche stoppen. Interessante Weine aus extremen Steil- und Höhenlagen. Der Blick aus dem Probierraum ist grandios.
Wenige Meter höher geniessen wir unser Mittagessen in der Osteria Roncaiolo auf der Terrasse mit dem Blick über das Adda Tal. An Bresaola kommt man nicht vorbei. Und dann gibt es noch "Sciatt". Im Dialekt heisst das Kröte. Es sind Käsewürfel, im Original aus dem Veltliner Casera-Käse. Sie werden in einem weichen Teig aus Buchweizen- und Weissmehl mit einem Schuss Grappa eingelegt und dann in Öl ausgebacken. Die Sciatt finden sich auf fast jeder Speisekarte im Valtellina. Anita bestellt den Cervo (Hirsch) "medium" und ich das Rind (Manzo) "medium - rare". Die Küche verwechselt das zwar, aber wir kommen klar.
Der Tag ist noch jung und wir beschliessen noch eine kleine Wanderung über die Schmugglerwege anzuhängen. Der Blick von oben auf Tirano spricht für sich. Und wir sind völlig entspannt unterwegs, da wir ja Nichts schmuggeln und auch nicht über die Grenze gehen. Vor 50 Jahren wäre dies noch ein völlig anderer Spaziergang gewesen. Frau A. ist mit meiner Wegwahl nicht ganz zufrieden, da wir zwischendurch einen ziemlich steilen Waldweg hochmüssen (mittlere Steigung 25%).
Freitag, 4. September
Drei Pässe Fahrt mit dem Colnago. Anita kennt Livigno nicht und das lässt sich prima mit einer Radtour verbinden. Zuerst den Foscagno (2292) und dann über den Eira (2208) hinunter nach Livigno. Eigentlich ein furchtbarer Ort .. Einkaufstourismus, Schnäppchenjäger, günstiges Benzin und zollfreie Waren. Wir trinken einen Café und ich fahre gleich weiter die 450 HM hoch zur Forcola die Livigno (2315). Anita geht noch zum Einkaufen und Tanken. Die Forcola von der anderen Seite ist zwar kürzer aber viel steiler und bleibt seit dem Lenzerheide Marathon eindrücklich in Erinnerung, Von der Forcola di Livigno kommt man wieder in die Bernina und es gehtzum zweiten Mal in einer Woche hinunter nach Tirano.
Samstag, 5. September
Wir machen einen kurzen Ausflug nach Grosio zum Park der Felsbilder. Leider ist das Gelände abgesperrt und vom Zaun aus kann man Nichts erkennen. Der Zugang zu den beiden Festungen ist offen und die beiden Anlagen sind beeindruckend.
Am Nachmittag machen wir noch restliche Besorgungen (Bresaola beim Metzger in der Altstadt von Tirano).
Zum Abschluss gehen wir wieder in das Ristorante "Al Castagneto" in Mazzo um noch einmal die lokale Küche zu geniessen. Vorweg etwas Salami und Penne und als Hauptgang etwas vom Grill. Der Wein dazu: Nebbiolo "Sentenza" von der Coop sociale Il Gabbiano in Sondrio.
Sonntag, 6. September
Eigentlich habe ich schon mehr Pässe in dieser Woche gefahren als ich gehofft habe.
Es bleibt noch ein Pass übrig: Das Stilfser Joch! Wie am Dienstag: noch besser trainiert, das Wetter ist optimal - wenn nicht jetzt, wann dann? Anita lässt mich in Bormio aussteigen und schaut sich die Altstadt an. Sie sieht die Vorbereitungen zur Pizzoccherata:
"Im historischen Zentrum von Bormio – das sich von der Piazzetta S. Vitale über die Via Roma bis zur Piazza del Kuerc erstreckt – findet eines der bedeutendsten sommerlichen Kulinarik- und Weinevents des Veltlins statt: Italiens längste Pizzoccherata! Das Herzstück der Veranstaltung ist eine einzige, durchgehende, 800 Meter lange Tafel, an der über 2.000 Gäste Platz finden, um köstliche, von lokalen Restaurants handgemachte Pizzoccheri zu genießen". Quelle: Valtellina-homepage
Ich fahre dann die 21 km, 34 Kehren und 1540 Höhenmeter hoch zur Cima Coppi auf 2760m. Der Pass ist eigentlich gut zu fahren. Die Steigung ist relativ konstant um 8% dafür halt lang. Der Verkehr ist nicht so schlimm wie erwartet. Das Wetter ist super!
Ganz oben an der Cima Coppi macht man am besten schnell ein Bild und fährt dann wieder weg. Ist mehr ein Rummelplatz mit Würstchenbuden und Souvenirshops. Schnell wieder runter, den Abzweig zum Umbrail (2503) nicht verpassen und dann hinunter nach Müstair. Wir treffen uns am Kloster. Die Heimfahrt zieht sich über Ofenpass, Furkapass und durch die Schweiz. Nicht weit, aber lang.
Eine super Woche!




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